Suchthilfezentrum am Perlengraben
Sehr geehrte Damen und Herren ,
nicht nur wir, sondern Anwohner*innen, Haus- und Wohnungsbesitzer:*nnen, Schulgemeinschaften, Leitungen und Beschäftigte der Kindertagesstätten, Kindertageseinrichtungen, Tagespflegestellen für Kinder, Elternschaften, Geschäftsleute, Gastronomen, etc. sind entsetzt und erschrocken über den Plan des Oberbürgermeisters der Stadt Köln, am Perlengraben ein Suchthilfezentrum zu errichten. Selbstverständlich möchte niemand Drogenabhängigen die Hilfe der Stadt Köln verweigern!
ABER: Die Drogenproblematik wird durch diese Verlagerung der Drogenkonsum – und Dealerszene vom Neumarkt in ein Wohnviertel, das zudem eine extrem hohe Schul- und Kindertagesstättendichte aufweist, mit Sicherheit nicht gelöst, sondern immens vergrößert.
Die Erfolgskriterien des häufig zitierten Züricher Modells, wie rotierende Versorgungsstruktur suchtkranker Menschen an verschiedenen Orten zu jeweils eng begrenzten Öffnungszeiten und die kontrollierte Beschaffung von Drogen, werden z. B. durch die aktuelle Planung eines einzigen Konsumraums mit kontinuierlichen Öffnungszeiten keinesfalls erfüllt. Als Folge entsteht lediglich die Verlagerung und Verschlimmerung des Drogenproblems in Köln. Zudem resultiert hieraus die Gefahr, dass weitere Süchtige anreisen, sogar angelockt werden, zumal das Suchthilfezentrum an 7 Tagen in der Woche 24 Stunden geöffnet sein soll, im Gegensatz zum Züricher Modell! .
Absolut unverständlich ist die Ignoranz der Gefahr für Schüler, durch Dealer zum Drogenkonsum animiert zu werden. Die in Informationsschreiben, die aufgrund ihres subjektiven, Manipulation intendierenden Inhalts diese Bezeichnung fälschlicherweise tragen, dargestellte Prüfung des Standorts im Hinblick auf Schulen in der Nähe verleugnet alle mit Ausnahme des Berufskollegs in unmittelbarer Nachbarschaft. Und das, obwohl sich weitere Bildungseinrichtungen und Kindertagesstätten im nahen Umfeld befinden, die nicht einmal erwähnt werden, ein absoluter Ermessensfehler. Die älteren Schüler bezeichnet der Oberbürgermeister als nicht gefährdet mit Hinweis auf die Lage der Eingangstür. Sind Jugendliche nicht zu schützen? Gehört deren Schutz nicht auch zu den primären Aufgaben des Oberbürgermeisters und des Stadtrats? Dass Kinder und Jugendliche dieselben Haltestellen und Straßen wie die Drogenabhängigen nutzen, auf dem Schulweg am Suchthilfezentrum vorbei gehen müssen, findet wie die Gefahr, dass Dealer sie zum Drogenkonsum animieren, keine Beachtung.
Die direkte Nähe zum Wohnheim für Männer kann sich in diesem Kontext ebenfalls als äußerst problematisch erweisen.
Unerwähnt bleibt auch die bereits am Neumarkt bekannte Verschmutzung durch gebrauchte Nadeln, Urin etc. im Umfeld des Suchthilfezentrums, woraus selbstverständlich auch Infektionsgefahren resultieren.
Die Kriminalitätsrate, insbesondere im Kontext der Beschaffung von Geld für Drogen, wird erheblich steigen, die Uneinsichtigkeit der kleinen Straßen sich hierzu als hilfreich erweisen. Die Angst vor Wohnungseinbrüchen und Überfällen kursiert mit Recht. Unzumutbar für die Anwohner, z. B. viele Familie, Senior*innen, sowie alle oben erwähnten Einrichtungen werden Eingänge sowie Straßen zum Aufenthaltsort Drogenabhängiger. Die sich in diesem Kontext ergebenden Probleme, durchaus als von der Drogenszene des Neumarkts als bekannt pointiert, sollen skrupellos ins Pantaleons-Viertel verlegt werden. Dass die Geschäftsleute des Neumarkts diese Umstrukturierung begrüßen, erscheint im Hinblick auf ihre zutiefst negativen Erfahrungen verständlich, rechtfertigt jedoch keinesfalls den geplanten neuen Standort. In diesem Kontext verstricken sich die Verantwortlichen der Stadt bei der Argumentation für die Verlegung vom Neumarkt ins Pantaleons-Viertel in extreme Widersprüche (s. Pressemitteilungen). Der Schutz der Anwohner wird jedenfalls nicht gewährleistet, im Gegenteil.
Ein Stadtviertel sowie ein jetzt bereits unter Drogenabhängigen leidendes Geschäftsviertel sollen geopfert, ihre Interessen ignoriert werden.
Dies akzentuiert auch die mangelnde Informationspolitik der Verantwortlichen:
Lediglich in unmittelbarer Nähe zum geplanten Suchthilfezentrum Wohnende werden immens kurz vor Weihnachten (Schulferien, Urlaub, Weihnachtsvorbereitungen…), und der Informationsveranstaltung statt zu Beginn der Planungen knapp informiert, der betreffende Raum zu klein gewählt.
Haus- und Wohnungsbesitzer*innen, die nicht vor Ort wohnen, erhalten keinerlei Informationen von der Stadt Köln. Der Wertverlust der Immobilien des vorliegenden Umfelds findet keinerlei Erwähnung.
Jeglicher Hinweis auf den eigentlich auf dem betreffenden Grundstück geplanten Spielplatz, seit Jahren von der Stadt versprochen, aufgrund fehlender Geldmittel nicht gebaut, fehlt.
Um die zweifellos dringendst notwendige Hilfe für Drogenkranke zu gewährleisten, sind unbedingt wirklich Erfolg versprechende Wege zu beschreiten, wozu jedoch wesentlich tiefgründigere Recherchen, Reflexionen, Planungen und Maßnahmen erforderlich sind.
Bitte helfen Sie mit, die Einrichtung des Suchthilfezentrums am Perlengraben zu verhindern.
Beate und Herbert Rinneburger